Keratokonus – Vorwölbung der Hornhaut

Als einen Keratokonus bezeichnet man eine vermehrte Auswölbung und Vorwölbung der Hornhaut. Da die Hornhaut einer wichtigsten Bestandteile der Optik des Auges ist, können durch einen Keratokonus folgende Symptome auftreten: starke Schwankungen in der Sehschärfe, eine Abnahme der Sehschärfe trotz Korrektur in Form von Brillen oder Kontaktlinse, das Wahrnehmen von Lichtringen um Leuchtquellen (“Halos”) sowie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und Blendung.

Verlaufsformen des Keratokonus

Der Keratokonus wird in zwei Formen eingestuft:
- der subklinischen Form des Keratokonus
- dem voranschreitenden Keratokonus, der “progressiven” Form.

Ein subklinischer Keratokonus erzeugt meist keinerlei Symptome und ist für den Patienten von einer normalen Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) nicht zu unterscheiden. Entdeckt wird diese Form des Keratokonus meist zufällig anlässlich bei einer augenärztlichen Kontrolle, im speziellen Anhand der Hornhauttopographie. Diese Form des Keratokonus muss bei einem stabilem Zustand nicht zwingend behandelt werden.

Die progressive Keratokonus ist aggressiv und kann sich bereits im Teenageralter bemerkbar machen. Bei einem Fortschreiten der Erkrankung wird die Korrektur der Fehlsichtigkeit mittels Brille immer schwerer, da die Vorwölbung der Hornhaut meist sehr unregelmäßig ist. Ein sogenannte unregelmäßige Hornhautverkrümmung (irregulärer Astigmatismus) kann in der Regel durch die Anpassung von harten Kontaktlinsen korrigiert werden, da die Kontaktlinsen einen Druck auf die Hornhaut erzeugen und somit die Unebenheiten ausgleichen können. Durch die Kontaktlinsen ist eine Verbesserung der Sehfähigkeit gegeben.

Nimmt allerdings die Vorwölbung der Hornhaut weiter zu, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem auch harte Kontaktlinsen nicht mehr getragen werden können, da diese nicht im gut sitzen und somit immer wieder herausfallen. Durch eine zunehmende Auswölbung wird der Hornhaut immer dünner, als Folge dessen setzt sich die Sehfähigkeit auf Dauer gesehen herunter.

Die bislang einzige Therapiemöglichkeit des Keratokonus ist einer Hornhautverpflanzung (Keratoplastik). Bei einer Keratoplastik wird die erkrankte Hornhaut entfernt und eine durch eine neue Hornhauthaut (Spenderorgan) ersetzt.

So sieht eine Keratoplastik aus:

Woher kommt die Spenderhornhaut?

Hornhauttransplantate stammen von Verstorbenen, die zu Lebzeiten die Einwilligung zur Hornhautspende gegeben haben (Organspendeausweis) oder deren Angehörige im Sinne der Verstorbenen der Hornhautspende zustimmen. Nach der Entnahme kommt die Hornhaut zur Untersuchung und Lagerung in die Hornhautbank. Das Medium, in dem die Hornhaut gelagert wird, enthält Nährstoffe und Antibiotika. Die Übertragung von Krankheiten auf den Empfänger wird durch mikrobiologische Tests und Untersuchungen des Spenderblutes weitgehend ausgeschlossen. Die Kriterien für die Spenderauswahl und die notwendigen Untersuchungen zur Qualitätssicherung des Hornhauttransplantates sind in den Richtlinien zum Führen einer Hornhautbank und den Durchführungsbestimmungen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Hornhautbanken festgelegt

Neues Verfahren zur Behandlung des progressiven Keratokonus:

UV-Riboflavin-Crosslinking der Hornhaut

Was ist Crosslinking?

Crosslinking (Quervernetzung) ist eine Methode zur mechanischen Stabilisierung von Geweben. Das Crosslinking von Geweben wird in anderen Fachbereichen der Medizin (wie z. B. der Orthopädie, der Herzchirurgie) seit mehreren Jahren angewandt. Das Crosslinking- Verfahren am Auge wurde jedoch neu entwickelt.

Das Crosslinking bewirkt eine erhöhte Zahl von Quervernetzungen zwischen den Fasern eines Gewebes, somit erhält man zusätzliche Verstrebungen und dadurch wird das Gewebe mechanisch stabiler.

Das Crosslinking der Hornhaut erfolgt durch eine Kombination von UV-Bestrahlung mit Verabreichung von Riboflavin-Augentropfen (Vitamin B2 Abkömmling). Die Intensität der UV-Strahlung wird entsprechend gewählt, dass die unter der Hornhaut gelegenen Augenstrukturen nicht betroffen werden.

Bei der Operation wird im ersten Schritt das Epithel der Hornhaut (Schicht der Hornhaut) entfernt. Dieser Vorgang ist notwendig, damit die Riboflavin-Augentropfen (Vitamin B2) in die Hornhaut gelangen können. Anschließend wird die Hornhaut während 30 Minuten mit UV-Licht behandelt. Am Ende der Operation wird eine Therapeutische Kontaktlinse auf die Hornhaut gelegt. Die Kontaktlinse bleibt einige Tage auf dem Auge und kann nur vom behandelnden Augenarzt entfernt werden.

Das Ziel des Crosslinking ist die Vorwölbung der Hornhaut zu stabilisieren, das heißt die Erkrankung kann nicht rückgängig gemacht. Im besten Fall wird die Vorwölbung der Hornhaut gewissermaßen “eingefroren” werden.

Klinikum für Augenheilkunde
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt am Main
- Refraktive Chirurgie -
Prof. Dr. med. T. Kohnen
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